Stakeholder Ansatz Solomon

Ethics and Excellence. Cooperation and Integrity in Business – by Solomon, Robert C., 1992. Oxford: Oxford University Press, Inc.

„Business, we are once again reminding ourselves, is first of all a human enterprise.“ And: „We are, first and always, people, and business if it deserves to be taken seriously at all is not just a machine or a mechanism or even an „instrument“ but rather a system of activities designed and practiced by human beings who have much to gain (and much to lose).“

Der aristotelische Ansatz der Gemeinschaft und der persönlichen Werte bietet den Unternehmen das, was diese in schwierigen Zeiten benötigen. Die Betonung der Hartnäckigkeit und des Wettbewerbs erfahren durch diesen eine Gesundung, solange den ausgeführten Aspekten Rechnung getragen wird. „without a sense of community and cooperation, there will be no corporation. Without individual as well as corporate virtue, all success – if it is success – will be empty.“ Dabei ist der Ansatz nicht abschliessend zu verstehen und auch eine Einheit der Werte wird nicht angestrebt, was folglich jedoch eine normative Gesellschaftsverantwortung unmöglich macht. Denn oftmals kollidieren die tugendethischen Werte in der Praxis miteinander. Es braucht daher vielmehr eine Kultivierung der angesprochenen Werte und die Aufrechterhaltung des grossen Ganzen als Leitgedanken, damit der Jonglierakt mit uneinheitlichen Werten gelingt. Dies gilt für das Unternehmen wie für die betroffenen Individuen. Und in gewissen Fällen sollten sich Unternehmen wieder neu erfinden. Besonders wenn deren Kultur von Regelbefolgung, reiner Zielverfolgung und Reingewinnmaximierung sowie Seilschaften geprägt ist. Dafür sind Mut und Kompromissbereitschaft notwendig. Wobei Mut als „integrity under fire“ zu verstehen ist und die Ausgangslage vielfach nicht so unlösbar ist, wie diese zu Beginn erscheinen mag. Und es gibt bestimmt viel weniger schlechte Unternehmen in der Unternehmenswelt, als dies Pessimisten annehmen. Es besteht also Hoffnung. Hoffnung, dass wir gemeinsam nicht nur die Unternehmen neu erfinden, sondern auch das Grosse wiederentdeckt wird. Damit Ethik und die Vortrefflichkeit nicht nur als Mittel zum Erreichen einer Effektivität und Effizienz dienen, sondern dazu führen, dass Unternehmen eine Seele gewinnen.

goodgold Fazit:

Robert Solomon liefert mit seinem über die Stakeholdertheorie von D & P hinausgehenden Ansatz eine überaus lebendige und praxisnahe Idee einer gesamtheitlichen Wohlfahrt. Für ihn stellt sich die Stakeholderfrage in der expliziten Form wie bei D & P gar nicht. Denn schlussendlich sind wir sowie auch alle Unternehmen Teilnehmer einer Gesellschaft und für diese verantwortlich. Es ist faszinierend wie verständlich und anwender- sowie anwendungsfreundlich der tugendethische Ansatz scheint. Das Argument der Zugehörigkeit sowie das Leistungsargument ermöglichen es, dass eine Unterscheidung der jeweiligen Pflichten von management- und eigentümergeführten Unternehmen vorgenommen werden kann. Jedoch muss die diesbezügliche Verantwortungs-Unterscheidung von eigentümer- zu managementgeführten Unternehmen auf eine angewandte Ebene beschränkt werden.

Denn durch die eigenständigen Abwandlungen des ursprünglichen Ansatzes von Aristoteles gehen gewisse, teilweise in der Originalform noch halbwegs als normativ gewichtete Argumente, fast gänzlich unter. Durch die Vermenschlichung und Kontextabhängigkeit ergibt sich anstelle eines ethischen Ansatzes viel eher ein Motivationsargumentarium. Daher ist der geschilderte tugendethische Ansatz auch mehr als ein Manifest zu verstehen, welches erklärt, wie idealerweise gewirtschaftet und die unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrgenommen werden sollte. Und weniger als eine nachhaltige Anwendung des ursprünglichen aristotelischen Ansatzes. Dafür können mit dem neuartigen tugendethischen Ansatz jedoch eventuell dringliche Wirtschaftsprobleme gelöst werden. Intuitiv erscheint es so, als ob Solomon während des ganzen Ansatzes immer irgendwie zur Wahrung eines Leitungsanspruchs krampfhaft versucht, gewisse Formalitäten und Normen einzubauen. Als Beispiel sei hier die Werteunterteilung erwähnt. Es scheint vielfach nicht klar zu sein, ob der tugendethische Ansatz nun ein Wirtschaften des «seins» oder des «sein sollte» bewirken will. Die teils normativen Schlussfolgerungen, welche der tugendethische Ansatz aufgrund des Wirtschaftens selbst ableitet, offenbaren ein Hauptproblem. Die normativen Schlussfolgerungen werden nicht mit einer normativen Rechtfertigung und Begründung gestützt. Es fehlt eine legitime Rechtfertigung der Wirtschaft und deren Funktion. Im Vergleich zu D & P verliert beispielsweise der pluralistische Ansatz an normativer Wertigkeit. Währenddessen D & P ihre Pluralität auf die normativen Theorien beschränken, lässt Solomon diesbezüglich sogar die ganz individuelle Praxis und einzelne Kontexte einfliessen. Folglich kann der tugendethische Ansatz nur in seinem angestammten Gebiet eine einflussreiche Wirkung haben. In der praktischen Anwendung.